- Marderhöhle -

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      Prolog - Willkommen im Dreck!

      Niemand wird dich fragen warum du deine Schritte in die schattenbehangenen Gassen des Armenviertels gelenkt hast.
      Niemand wird dich nach deinem Namen fragen, denn Namen sind vergänglich. Ebenso wie das Leben selber.

      Dies wird dir gewahr, während du den Blick schweifen lässt über manch eine bewegungslose Gestalt, deren Schemen sich kaum vom aufgetürmten Unrat abheben der die schmalen Gassen überflutet. Sein Gestank hängt ebenso in der Luft wie das Odeur des verschimmelten Mauerwerks der Häuser, die ihre tristen Schatten werfen.
      Wehleidige Kakofonie schwängert die Luft, das Klagen hungriger Kinder klingelt ebenso in deinen Ohren wie von Schwindsucht kündendes Husten. Bellendes Gebrüll erhebt sich zwischen Gemäuern, kündet von Gewalt die ebenso ein Teil dieser Gassen ist wie gesichtslose Blicke die dir folgen.

      Fühlst du ihn, den eisigen Schauer der sich gnadenlos über deinen Rücken frisst? Hörst du das eigene Blut in deinen Ohren rauschen? Angetrieben von einem unruhigen Herzschlag der in deiner Brust stolpernd hämmert. Dich zu warnen sucht. Kehr um - schrillt eine Stimme in deinem Schädel. Kehr um - solange du es noch kannst. Stockt dir der Atem? Nagt die Angst? Sie tut es zurecht, denn schnell wird sich eine bittere Gewissheit in deine Seele fressen. Über diesen Gassen lauert der Tod.

      Deine Schritte begleitet von einem leisen Knirschen, mit dem der Unrat unter deinen Füßen zermalen wird. Wohin tragen sie dich? Hinein in eine weitere Gasse, vielleicht? Zwischen zerfallenen Ruinen entlang, vorbei an weiteren Gestalten. Ergraute Wäsche schaukelt über deinem Kopf lustlos im Wind. Rastlos huscht dein Blick Schatten hinterher, deren Hoheitsgebiet du betreten hat. Ihr schier lautloses Wispern dringt an dein Ohr, vergeht im kühlen Säuseln des Windes der leise Raunend durch die Gassen streift.

      Der fahle Schein einer vergilbten Laterne fällt in dein Augenmerk. Ein einsamer Nachtfalter flattert um den, vom gelblichen Glas gedämmten Lichtschein. Angelockt vom Versprechen von Wärme, trügerisch und vernichtend. Lockend spiegelt sich das schwache Licht am feuchten Mauerwerk, widergebrochen von den Pfützen die sich zwischen unebenen Pflastersteinen gestaut haben. Der Geruch nach Pisse und anderen Fäkalien steigt dir an die Sinne. Fordert Übelkeit die deinen Rachen zuschnürt.

      Du kämpfst noch gegen die Übelkeit, als dein Blick an einer gewaltigen Gestalt zur Ruhe kommt. Die Rüstung abgewetzt, an vielen Stellen ungekonnt geflickt. Grobschlächtig so wirkt der Riese, dessen stumpfer Gesichtsausdruck von einer Brille verfälscht wird die, viel zu klein anmutend auf einer krummen Knollennase thront. Sein Blick hat dich längst erfasst. Ergraut vom ewigen Zwielicht, welches die schmutzigen Gassen als Heim erkoren hat, bohrt sich der Blick zusammengekniffener Augen auf deiner Erscheinung fest. Von Narben zerfurcht, von einem rostroten, wilden Bart überwuchert, präsentiert sich das verlebte Gesicht welches sich dir langsam entgegen neigt.

      Du glaubst einen Atemzug zu fühlen der dir entgegen stäubt. Hällst den Atem an, als die gewaltigen, schartigen Äxte auf seinem Rücken gewahr werden. Ein miesepetriges Brummen erreicht dein Gehör, heran geschwollen aus der Kehle des Giganten der den Blick in deine Augen sucht. Du bist schon versucht auf dem Absatz kehrt zu machen, als ein Mundwinkel des Riesen zuckt.

      " Willkomm'n im Dreck " - grunzt er dir leise entgegen. Bevor du verstehst was geschieht, tritt er auf Seite. Gibt den bogenförmigen Durchgang frei hinter dem sich die Dunkelheit eines Flures erstreckt. Zu einem Murmeln verwaschene Stimmen klingen aus der Dunkelheit. Flackernde Lichtimpulse zeichnen die Umrisse eines Türrahmens nach, hinter dem ein Feuer zu knistern scheint. Traust du dich einzutreten? Die Türe zu öffnen und den Gesichtern zu begegnen die zu dem, zu einem unverständlichen Murmeln gedämmten Stimmen gehören? Es bleibt deine Entscheidung ob du die sonderbare Einladung annehmen willst.

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